Nikolai Evssev bleibt Cheftrainer der SG EWR Rheinhessen-Mainz



Nikolai Evssev

Nikolai Evssev bleibt Cheftrainer der SG

Der Krisengipfel um die Zukunft des SG-Cheftrainers Nikolai Evseev fand ein positives Ergebnis: Die Wogen bei den Schwimmern der SG EWR Rheinhessen-Mainz konnten geglättet werden.

Dies sagte der zwischen dem SG-Vorstand und Evseev vermittelnde Präsident des Südwestdeutschen Schwimmverbandes (SWSV) und Vizepräsident des Deutschen Schwimmverbandes (DSV), Anselm Oehlschlägel. Der Schaden für den Schwimmsport und der Region wäre andernfalls enorm gewesen. Nun könne die SG mit Evseev wieder in aller Ruhe auf ihre hohen sportlichen Ziele zusteuern.

Berichten der Allgemeinen Zeitung Mainz zufolge hatte das „Arbeitsverhältnis gefährliche Risse bekommen“. Diskussionen um die angeblich mangelnde Zuverlässigkeit und Akzeptanz Evseevs im Verein gingen um und belasteten das gegenseitige Vertrauen. Bis zur Aussprache, bei der beide Seiten zugaben, Fehler gemacht zu haben, ging Evseev von gezielter „Demontage“ seiner Person aus, dessen Zeitpunkt obendrein auch noch „ganz bewusst gewählt“ wurde. Nur elf Wochen vor den Deutschen Freiwasser-Meisterschaften (Anmerk. Red.: 27. bis 29. Juni im hessischen Großkrotzenburg), die als Qualifikation für die Olympischen Spiele 2008 herangezogen wurden, sei dem SG-Cheftrainer die Kündigung zugegangen. Der offizielle Grund: Verletzung der Aufsichtspflicht.

Hinter vorgehaltener Hand sei dagegen der Vorwurf laut geworden, Evseev wäre nicht um all seine Aktiven gleichermaßen bemüht gewesen. Auf Kosten anderer soll seine Aufmerksamkeit vor Allem einer Schwimmerin gegolten haben: Angela Maurer – Langstrecken-Ass, Lebensgefährtin und Mutter seines Sohnes Maxim. In diese Presche schlug das zweite Langstrecken-Talent der SG und gleichzeitig langjähriger Schützling Evseevs, der 24-jährige Christian Hein gewesen. In einem Interview mit der AZ Mainz äußerte er: „Es gibt eine Menge Trainer, von denen sich Nikolai Evseev in Sachen Einsatz so einiges abschauen könnte.“

Ich muss mich fast dafür schämen, erfolgreich zu sein.

Maurer zeigte sich gegenüber der AZ Mainz enttäuscht: „Vor meinem WM-Titel hat hier kaum jemand von mir Notiz genommen. Jetzt achtet plötzlich jeder nur noch darauf, ob der Trainer mit mir ein Wort mehr wechselt als mit jedem anderen. Ich muss mich fast noch dafür schämen, erfolgreich zu sein.“ Anschließend machte die Weltmeisterin von 2006 über 25 Kilometer deutlich, dass ihre Tage bei der SG gezählt wären, sollte es nicht zu einer Einigung kommen: „Ich kann mich nicht für einen Verein engagieren, der gerade erst meinen Lebensgefährten rausgeschmissen hat.“

Nun hat der Krisengipfel aber doch in letzter Minute das Blatt gewendet und alle Beteiligten an einen Tisch gebracht. Die Wogen bei den Schwimmern der SG EWR Rheinhessen Mainz konnten geglättet werden. DSV-Vizepräsident Oehlschlägel schloss gegenüber der AZ Mainz erleichtert ab: „Das war ein guter Tag für den Schwimmsport in Mainz, Rheinhessen und im Südwesten, ja sogar für den deutschen Schwimmsport.“ Um jeglichen Missverständnisse in Zukunft vorzubeugen, solle die Kommunikation zwischen Vereinsverantwortlichen, Trainern und Athleten besser gepflegt werden. Auch der Landessportbund (LSB) Rheinland-Pfalz werde eingebunden. „Das ist keine Kontrolle, sondern es geht um Austausch und Unterstützung.“ Nur mit Hilfe des LSB sei etwas zu erreichen, unterstrich auch SG-Sprecher Steffen Grummt.

Unter dem Strich steht: Nikolai Evseev wird seinen Vertrag bis zum 31. Dezember 2008 erfüllen, die Kündigung von Seiten des Vereins wurde zurück genommen. „Meine Messlatte liegt hoch. Wer zu Olympia will, der muss morgens um 5:30 Uhr ins Wasser und hat erst um 21 Uhr Feierabend“, unterstrich Evseev. Und auch mit Hein sprach sich der SG-Cheftrainer aus: „Das ist wie bei Vater und Sohn. Der Vater hofft immer, dass der Sohn zur Vernunft kommt. Oft erkennt der Sohn aber erst später, dass der Vater Recht hatte“, sagte Evseev und Hein ergänzte: „Die Gespräche waren gut, ich sehe keine Probleme mehr. Jetzt geht es steil zur Olympia-Qualifikation, jetzt wird richtig hart gearbeitet.“

Verfasser: Matthias Müller
Veröffentlichung: AQUA 2 | 2007?