Neuigkeiten AQUA 08 | 1 Günter Schmah - das Interview

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Günter Schmah - das Interview

Sport hat mir immer geholfen

Günther Schmah

Günther Schmah bereitet sich
auf seinen Start beim Masters-
Wettbewerb des SSV Ingelheim
in der rheinwelle vor.

MAINZ (April 2008) - Günter Schmah hat mit Brief vom 17. Februar 2008 an den Präsidenten des Südwestdeutschen Schwimmverbandes (SWSV), Anselm Oehlschlägel, seinen Rücktritt vom Amt des Fachwartes Schwimmen erklärt, das er seit 12 Jahren ausfüllte. Dieser Schritt war laut Schmah „die logische Folge aufgrund diverser Vorkommnisse, die meine Arbeit erschwert und meine Zeit unnötig in Anspruch genommen hat.“

Oehlschlägel erklärte anschließend: „Seine Entscheidung ist ein schwerer Schlag für uns, aber zu respektieren. Ich habe ihm für sein jahrelanges Engagement gedankt und ihm versichert, dass seine Entscheidung den Respekt vor seinen Leistungen für den Schwimmsport nicht schmälert. Die AQUA hat nun mit Günter Schmah ein Gespräch geführt, ein kleiner Rückblick auf das Schwimmerleben eines Mainzer Urgsteins... der eigentlich gar kein Meenzer Bub ist. Dies und noch viel mehr über diesen außergewöhnlich engagierten (und immer noch schwimmaktiven) Mann könnt ihr hier lesen.

AQUA: Lieber Günter, niemand außer Deinem noch offenen Nachfolger wird eine Ahnung bekommen, wie viel Zeit Du tagtäglich in Deine ehrenamtliche Tätigkeit als Schwimmwart des SWSV investiert hast. Was stellst Du mit Deiner neu gewonnen Freizeit an?

Günter: Durchschnittlich vier bis fünf Stunden täglich werde ich für den Schwimmsport nicht mehr arbeiten. Die Erfahrungen, die ich in jahrelanger Mitarbeit in verschiedenen Gremien sammeln konnte, möchten weiterhin viele nutzen, und ich werde selbstverständlich helfen, wo immer ich gebraucht werde. Ich muss daher die Auswahl zukünftiger Aktivitäten gut überlegen. Aber die nun gewonnene neue Freiheit/-Zeit soll vor allen meiner Familie mit inzwischen drei Enkeln zugute kommen.

AQUA: Schildere uns doch bitte, wie Deine Begeisterung für den Schwimmsport angefangen hat. Wo kommst Du her? Mit wie viel Jahren hast Du Schwimmen gelernt? Im See? Im Verein? Wie bist Du später zum MSV gekommen?

Günter: Ich bin in Rathenow/Havel geboren, einer kleinen Kreisstadt westlich von Berlin inmitten des Naturparks Westhavelland, umgeben von zahlreichen Seen. Die Havel und die dazugehörigen Nebenarme schlängeln sich durch und um Rathenow bevor sie bei Havelberg in die Elbe fließt. Um nicht zu ertrinken musste man sich hier sehr früh über Wasser halten können. Mein Vater hat mich als Dreijährigen von unserem Segelboot aus ins Wasser gesetzt und sich überzeugt, dass ich nicht ertrinke, als er an die Front musste. Ich habe mich dann mit „Hundepaddeln“ bis zum siebten Lebensjahr in die Seen und über die Havel gewagt, aber schnell bemerkt, dass ich so zu langsam war und meine zwei Jahre jüngere Schwester mich abhängte. Heimlich habe ich dann Brustschwimmen geübt. Dadurch schwamm ich damals schon nicht mehr die übliche „Stoßgrätsche“. Als es nach einiger Zeit klappte, war ich bei der Havelüberquerung nicht zu schlagen und auch das Anschwimmen zu den Lastschiffen war kein Problem mehr. Der örtliche Schwimmverein wurde dann über den Sportunterricht in der Schule auf mich aufmerksam. Allerdings war ich selbst mehr an Fußball interessiert und war auch ein guter Läufer. Hinzu kam das Fehlen eines Hallenbades und meine Abneigung gegen kaltes Wasser. Irgendwann wurde dann Druck auf mich ausgeübt und auch die Vorteile (Lebensmittelversorgung- Berufsausbildung) waren natürlich ein Anreiz , die man als Leistungssportler in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) beziehungsweise DDR genoss. Auf Grund meiner kritischen Haltung (ich habe schon immer gesagt, was ich denke) und meiner Westberlinkontakte, verlor ich 1958 mein Studienplatz mit der Auflage, ein Jahr zur Bewährung in die Industrie zu gehen.

Der Sport hat mir später immer wieder geholfen, festen Boden unter die Füße zu bekommen. Er ist neben den gesundheitlichen Aspekten hilfreich zur Knüpfung eines sozialen Netzes. Als ich 1961 die Arbeit bei Hoechst in Wiesbaden aufnahm und das Hallenbad in der Mainzer Straße aufsuchte, war im öffentliche Badebetrieb die trainingsmäßige Schwimmerei problematisch. Ein Gespräch mit dem Schwimmmeister Hans Römer, vermittelte mir den Kontakt zum MSV 01. Nachdem der damalige Trainer August Ernst mich getestet hatte und überrascht war, dass ich die angegebenen 1:17 nicht über Kraul, sondern über Brust schwamm, überreichte man mir schnell ein Aufnahmeformular. Ich habe mich, als schon 23-jähriger, dann in den Jahren beim MSV 01 leitungsmäßig noch steigern können und bin als 34-Jähriger Rheinland-Pfalz-Rekord (1:10,2) geschwommen.

AQUA: Wie hat sich Dein Schwerpunkt vom aktiven Schwimmer zum Mann hinter den Kulissen vollzogen? Hattest Du vorher andere Ämter als Schwimmwart des SWSV inne?

Günter: Der ehrenamtlichen Einsatz der Sportfunktionäre sowie vieler Trainerhat mich immer beeindruckt. Meine Trainer wie August Ernst, K.H. Findeisen und Jürgen Flächsenhaar sowie Hans Köhler (Schwimmwart 1961-1967 / Präsident 1967-1980) waren für mich Vorbilder. Sie haben Schwimmern Fortschritte in der Ausübung unseres Sportes ermöglicht. Ich möchte durch meine Bereitschaft zur Mitarbeit damit eine „Wiedergutmachung“ leisten.

AQUA: Du hast schon einige Präsidenten des SWSV kommen und Gehen sehen. Was ist Dir zu jedem einzelnen besonders im Gedächtnis geblieben. Wie hat sich die Politik des Schwimmverbandes in der Vergangenheit gewandelt? Welchen Einfluss hatte das auf Deine Arbeit als Schwimmwart?

Günter: Im Gedächtnis geblieben ist mir der stets freundliche und zuvorkommende Umgangston des amtierenden Präsidenten. Ich bitte um Verständnis, dass ich zum jetzigen Zeitpunkt keinen weitergehenden Kommentar abgeben möchte.

AQUA: Wie siehst Du den Aufbau des Leistungssportes in unserem Verband in den vergangenen Jahren? Was hat sich auf Vereins- und Verbandsebene bewegt? Welche Entwicklungsmöglichkeiten siehst Du noch?

Günther Schmah

Günter: In unserem Verband ist der Aufbau des Leistungssportes eine schwierige Aufgabe. Beschränkungen sind allein schon dadurch bedingt, dass es sich um ein kleines Bundesland mit zwei Schwimmverbänden handeln. Zusätzlich existieren drei Sportbünde, die nicht immer an einen Strang ziehen und mit dem Dachverband Probleme haben. Hinzu kommen folgende Faktoren, die nicht allein SWSV spezifisch sind um nur einige zu nennen:

  • Schwimmbadsituation
  • Spannungsfeld Schule- Leistungssport
  • gezielter langfristiger Leistungsaufbau
  • fehlende Konzepte bzw. Umsetzung der vom DSV vorgegeben Konzepte / Projekte
  • Mangelnde Bereitschaft zur Konzentration der Kräfte
  • Mangel an Bereitschaft zur Übernehme von ehrenamtlichen Funktionen

Positive Ansätze sind:

  • das Konzept der SG EWR Rheinhessen
  • die Entwicklung des SC Neustadt und des LSV 07 speziell im Nachwuchsbereich
  • die gute Arbeit im Bezirksstützpunkt Pfalz in Grünstadt
  • Nicht vergessen möchte ich die Entwicklung in Worms, das heißt hier läuft der zweite Versuch zur Bündelung der Kräfte.

Diese Aussage erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und ich bitte um Verständnis falls ich etwas vergessen habe.

AQUA: Lieber Günter, wir danken Dir für dieses Gespräch.

Angaben zur Person

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Name

Günther Schmah

Geburtsdatum

27. April 1938 in Rathenow an der Havel

Wohnort

Wiesbaden

Ausgeübter Beruf

zuletzt Diplomingenieur bei Hoechst;
Leiter der Qualitätssicherung

Frühere / aktuelle Schwimmvereine

bis 1958 Chemie Premnitz
1958-1959 Leverkusen 1921
1959-1961 Krefeld 09
ab 1961 Mainzer SV 1901

Posten im SWSV / DSV:

ab 1986 Fachausschuss Schwimmen
1995-2006 SWSV Fachwart Schwimmen + Masters
2006-2008 SWSV Fachwart Schwimmen
1995-2006 Mitglied DSV Fachausschuss Masters
1995-2008 Mitglied DSV Fachausschuss Schwimmen
ab 2000 DSV-Fachsparte Schwimmen Referent Sonderaufgaben

Übrigens:

Günter hat zwei Kinder und drei Enkelkinder.





Das Interview führte: Matthias Müller
Veröffentlichung: AQUA 1 | 2008