Neuigkeiten AQUA 08 | 2 Britta Steffen: Die vollendete Verwandlung

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Britta Steffen: Die vollendete Verwandlung

Britta Steffen

PEKING (August 2008) - ''Die Geschichte von Britta Steffen ist die Geschichte einer Verwandlung. Die Geschichte von einem Teenager, dem größten Talent des deutschen Schwimmsports, den jedes Mal auf dem Startblock Selbstzweifel plagen. Von einer jungen Frau, die im Training und in den Vorläufen allen davonschwimmt, nur um im Endlauf wieder dem Erfolgsdruck nicht standhalten zu können.''

Sydney und Athen waren Enttäuschungen, Britta Steffen hatte ihre Karriere schon abgebrochen und sich dann doch noch einmal durchgerungen weiter zu schwimmen. Und nun im Alter von 23 Jahren endlich den großen Durchbruch gefeiert. Nach Gold über 100 Meter Freistil siegte Britta Steffen am Sonntag auch über 50 Meter Freistil, ist damit die schnellste Frau im „Water Cube“.

Hoffnung auf eine Medaille schon aufgegeben

Britta Steffen: Hier wuchs sie auf

Angefangen hat alles in diesem Plattenbau
im brandenburgischen Schwedt an der Oder,
wo Steffen aufwuchs.

Doch bevor sie zweimal auf das Siegerpodest steigen und die deutsche Nationalhymne hören durfte, wiederholte sich in einer Woche Peking ihre ganze, lange Schwimmgeschichte noch einmal im Zeitraffer. Nach dem Staffelrennen waren die Zweifel wieder da, wie kann ich in diesem Feld nur mithalten. Nach dem 100 Meter Freistil Vorlauf sagte sie, die Hoffnung auf eine Medaille hätte sie ohnehin aufgegeben. Nach dem Halbfinale sah sie dann doch wieder Möglichkeiten, denn die anderen Frauen schwammen Zeiten, die sie auch erreichen konnte. Dann kam das Finale am Freitag und die erste Goldmedaille.

Dass es eine Geschichte mit einem Happy End ist, liegt auch daran, dass Britta Steffen in den letzten Jahren immer wieder das Training im Wasser hat ausfallen lassen, um mit der Psychologin Friederike Janofske arbeiten zu können. Sie spricht darüber ganz offen. „Wir haben 2000 und 2004 aufgearbeitet. Wir haben gesagt, ich bin leistungsfähig, ich bin stark. Wenn da nicht immer der Kopf gewesen wäre“, beschreibt sie das Mentaltraining. Auch in Peking sprach sie jeden Tag mit der Berliner Psychologin, die auch schon Franziska van Almsick betreut hatte.

Britta Steffen als Kind

Britta Steffen als Kind....
und 2006 nach einer fast zweijährigen
Wettkampfpause war Britta dann völlig
überraschend mit vier Gold- und einer
Silbermedaille die erfolgreichste
Athletin der Schwimm-EM in Budapest.
Ihr internationaler Durchbruch.

Wie stark sie ist, mussten auch die großen Favoriten über 50 Meter Freistil, Lisbeth Trickett (Australien) und die Amerikanerin Dara Torres, die das schnellste Halbfinale geschwommen war, erfahren. „Immer weiter, immer weiter“, sei ihr Motto auf der kürzesten olympische Distanz gewesen. Als sie sah, dass sie nach 25 Metern noch gut im Rennen war, habe sie ihre Zugfrequenz noch einmal erhöht. Und wie schon im 100-Meter-Freistil-Finale waren es die letzten Meter, die den Ausschlag für Britta Steffen gaben. Eine Hundertstel Sekunde vor der 41 Jahre alten Dara Torres schlug sie gegen die Zeitmessmatte an der Wand. „Diesmal habe ich mich sofort umgedreht und riesig gefreut.“ 24,06 Sekunden standen dort, deutscher Rekord. Dara Torres (24,07) wurde Zweite, Weltrekordlerin Lisbeth Trickett kam nur auf Platz vier.

„Erst einmal in mich hinein horchen“

siehe auch

Dossier Olympische Spiele Peking
Die Siegerehrung und die Ehrenrunde vorbei an allen Fotografen hat Britta Steffen sichtlich genossen. „Es war nicht so schön wie bei den 100 Metern, aber auch sehr schön“, sagt sie. Der Freistilsprint war nur eine Zugabe, ihre Geschichte hatte ja schon mit der ersten Goldmedaille ein gutes Ende gefunden. Ob der 50 Meter Freistil Endlauf auch das Finale ihrer Karriere war, wollte Britta Steffen in Peking noch nicht sagen. „Ich weiß noch nicht, ob das das Ende ist, da muss ich erst einmal in mich hinein horchen und sehen was für Ziele es noch gibt.“ Das doppelte Gold für Britta Steffen ist der größte Erfolg einer deutschen Schwimmerin seit Kristin Otto 1988 in Seoul in der Blütezeit des DDR-Staatsdopings sechs Mal Olympiasiegerin wurde.





Verfasser: Matthias Müller nach Spiegel 17.08.2008
Veröffentlichung: AQUA 2 | 2008