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Neuigkeiten AQUA 08 | 3 EM: Biedermann scheitert, Meeuw holt Bronze

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Biedermann scheitert, Meeuw holt Bronze

EM Schwimmen 2008 in Rijeka (Kroatien)

Deutsche gehen an der kroatischen Adriaküste buchstäblich baden

RIJEKA - Die deutschen Schwimmer konnten die guten Resultate der nationalen Meisterschaft zwei Wochen früher international nicht bestätigen. "Das hier ist die Realität, und zwar auf eine schmerzende Art und Weise. Es liegt an grundsätzlichen Dingen, die wir nicht in zwei oder drei Wochen ändern können", sagte der neue Bundestrainer Dirk Lange. "Das ist ein enttäuschendes Ergebnis", pflichtete Sportdirektor Lutz Buschkow bei. Einzig Biedermann, der im Gegensatz zu seinen Rekordrennen diesmal mit dem Anzug des DSV-Ausrüsters (adidas) schwamm, demonstrierte sein Leistungsvermögen.

Der 22-Jährige aus Halle/Saale holte in Rijeka (Kroatien) über 400 Meter Freistil die Goldmedaille, schüttelte aber im Ziel unzufrieden mit der Zeit den Kopf. In 3:37,73 Sekunden lag der Europarekordler am Donnerstag 1,6 Sekunden vor dem Italiener Massimiliano Rosolino, lag aber 2,75 Sekunden über seiner erst vor zwei Wochen aufgestellten Bestmarke. "Ich bin sehr enttäuscht mit meiner Siegerzeit, aber das ist natürlich ein großer Erfolg", sagte Biedermann. "Meine Taktik, das Rennen auf den letzten Hundert Metern zu entscheiden, hat sich ausgezahlt." Biedermann holte als erster Deutscher seit Einführung der kontinentalen Kurzbahn- Meisterschaft den Titel über die 400 Meter.

Biedermann desillusioniert

Desillusioniert: Favorit Paul Biedermann
scheitert im Vorlauf

Mit Platz neun über 200 Meter Freistil - fast vier Sekunden über seinem eigenen Weltrekord - war der Traum vom erneuten Titel allerdings jäh zerplatzt. Nach dem blamablen Vorlauf-Aus zog Paul Biedermann seine Kapuze tief ins Gesicht und flüchtete zunächst wortlos durch den Regen von Rijeka. Ausgerechnet der ansonsten so konstante Musterprofi ging zum Abschluss der Kurzbahn-EM baden und hat den Deutschen Schwimm-Verband (DSV) noch tiefer in die Krise gebracht - darüber konnten auch Bronze für Helge Meeuw über 100 Meter Rücken sowie Silber am Samstag durch die 4x50-Meter- Lagenstaffel der Frauen nicht hinwegtäuschen. Biedermann nahm erst mit einer Stunde Verspätung im Teamhotel Stellung und hatte zumindest seine Fassung wiedergewonnen. "Ich bin zu langsam angegangen und konnte das am Ende nicht mehr aufholen. Das war ein taktischer Fehler. Natürlich bin ich schwer von mir enttäuscht", erklärte der 22-Jährige aus Halle/Saale, fügte aber auch trotzig hinzu: "Ich hatte ein sehr erfolgreiches Sportjahr." Für den Europameister auf der Langbahn war es ein bitteres Ende der EM. 1:44,55 Minuten standen auf der Anzeigetafel, elf Hundertstel fehlten zum Einzug ins Finale. Die Schuld wollte Biedermann nicht am möglicherweise unterlegenen Wettkampfanzug des DSV-Ausrüsters adidas festmachen.

Rückendeckung für Biedermann

Rückendeckung bekam der Modell-Athlet vom neuen sportlichen DSV-Führungsduo mit Sportdirektor Lutz Buschkow und Bundestrainer Dirk Lange. "Der Paul hat im gesamten Jahr konstant Top-Leistungen gebracht, deshalb sollte man ihm das nicht zu hart ankreiden. Er ist ein junger Kerl, der noch seine Erfahrungen machen muss. Das war für das nächste Jahr vielleicht der richtige Tritt in den Hintern", meinte Buschkow und Lange fügte hinzu: "So etwas ist auch schon einer Franziska van Almsick passiert." Neben Biedermann blieben auch der Wahl-Hamburger Steffen Deibler (34./1:47,44), Dimitri Colupaev aus Mainz (42./1:48,14) und Markus Deibler aus Biberach (56./1:50,32) auf der Strecke. Es passte ins Bild, dass Markus Deibler in Badehose antreten musste, weil sein Wettkampfanzug kurz vor dem Start gerissen war.

Meeuw holt Bronze

Bronze für Helge Meeuw

Bronze für Meeuw

Meeuw bescherte dem DSV zumindest noch die sechste Medaille. Der Frankfurter musste sich über 100 Meter Rücken in 50,89 Sekunden nur dem neuen Weltrekordhalter Stanislaw Donez aus Russland (49,32) und dem Spanier Aschwin Wildeboer (49,61) geschlagen geben. Der Wiesbadener Johannes Dietrich verpasste als Fünfter über 50 Meter Schmetterling (22,81) ebenso eine Medaille wie Petra Dallmann (Heidelberg) als Sechste über 50 Meter Freistil (24,60) und die 4x50-Meter-Freistilstaffel der Männer mit deutschem Rekord auf Rang fünf (1:25,52) beim erneuten Weltrekord der Franzosen (1:20,77). Die 4x50-m-Lagenstaffel der Frauen musste sich ohne Olympiasiegerin Britta Steffen in der Besetzung Daniela Samulski (Essen), Janne Schäfer (Heidelberg), Lena Kalla (Würzburg) und Petra Dallmann (Heidelberg) in 1:46,84 Minuten nur der Staffel aus den Niederlanden geschlagen geben, die den Weltrekord von Australien (1:45,73) einstellte. Die Herren schwammen unterdessen über dieselbe Strecke zur Silbermedaille. Der Titelverteidiger verbesserte in der Besetzung Thomas Rupprath (Rostock), Marco Koch (Darmstadt), Johannes Dietrich (Wiesbaden) und Steffen Deibler (Hamburg) in 1:33,31 Minuten deutlich den deutschen Rekord. Sieger Italien schwamm in 1:32,91 Minuten abermals eine Weltbestzeit. Russland kam zeitgleich mit Deutschland auf Platz zwei. Wie Biedermann über seine Paradestrecke 200 Meter Freistil waren die deutschen Schwimmer wieder reihenweise in den Vorläufen gescheitert. Buschkow fand deutliche Worte. "Einige Leistungen waren indiskutabel. So darf man nicht bei einer EM auftreten", sagte Buschkow: "Wir werden die Gründe nun genau analysieren und hoffen dann für die WM im nächsten Jahr in Rom auf deutliche Besserung."

Routiniers wie Daniela Samulski (Essen) über 100 Meter Rücken, aber auch Youngster wie Brustschwimmer Marco Koch (Darmstadt) und Lagen- Spezialistin Franziska Hentke (Halle/Saale) verfehlten ihre Zeiten von Essen gleich um mehrere Sekunden. Noch SG-Rheinhessen-Schwimmer Dimitri Colupaev belegte über seine Paradestrecke, die 200 Meter Lagen, den enttäuschenden 26. Platz. In 2:00,41 Minuten schwamm der 18-jährige EM-Debütant rund drei Sekunden über seiner Bestzeit - 1:57,21 bei den Deutschen Kurzbahnmeisterschaften zwei Wochen früher - und schied damit bereits im Vorlauf aus. Um ins Finale der besten Acht zu kommen, hätte er eine Zeit von 1:57,31 Minuten erzielen müssen.

siehe auch

adidas kündigt DSV-Vertrag fristlos
Deutsche Kurzbahnmeisterschaften
Neuer Bundestrainer Dirk Lange
Unter 62 Startern der 200 Meter Freistil belegte der 18-jährige EM-Debütant dann mit 1:48,14 Minuten auch nur den 42. Platz. Die Hürde für das Finale verfehlte Colupaev recht deutlich um fast vier Sekunden. "Leider ist es nicht so gelaufen, wie ich es mir vorgestellt habe. Ich kann mir meine Leistung selbst nicht erklären, da ich ein richtig gutes Gefühl hatte und überhaupt nicht nervös war", rätselte Colupaev, der den Finaleinzug wenigstens über 200 Meter Lagen als Zielsetzung ausgegeben hatte.

Ein entscheidender Grund könnte laut Colupaev jedoch wieder der ungewohnte und schon oft gescholtene Schwimmanzug von adidas sein, den alle deutschen Starter tragen müssen. "Normalerweise schwimme ich mit einem Anzug von Arena, damit habe ich kürzlich bei der Deutschen Meisterschaft meinen persönlichen Rekord geknackt. Und ich glaube kaum, dass meine Form nach nur zwei Wochen so rapide abgefallen ist - also liegt es wohl auch am Anzug", vermutete Colupaev. In der andauernden Diskussion um die High-Tech-Schwimmanzüge forderte Lange eindeutige Regeln. "Die Anzüge müssen irgendwie reglementiert werden. Es gibt hier Leute, die tragen zwei oder drei Anzüge übereinander", sagte er.



Verfasser: Matthias Müller nach dpa 11., sid 14. und AZ-Mainz 15. Dezember 2008
Veröffentlichung: AQUA 3 | 2008

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