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AQUA 08 | 3
Mainz wird Bundesstützpunkt Freiwasserschwimmen
Mainz wird Bundesstützpunkt Freiwasserschwimmen
DSV treibt Neuausrichtung voran
Der Standort Mainz ist vom Deutschen Schwimm-Verband (DSV) als einer von drei Bundesstützpunkten im Freiwasser-Schwimmen ausgewählt worden. Neben Mainz erhielten auch Rostock und Würzburg den Zuschlag.

Der DSV treibt seine Neuausrichtung voran.
GÖTTINGEN, KASSEL, MAINZ - Unabhängig vom Abschneiden in Peking hatte DSV-Präsidentin Dr. Christa Thiel schon vor den Olympischen Spielen grundlegende Veränderungen angekündigt. An Stelle des Gießkannenprinzips sollen sich die Anstrengungen des DSV zukünftig auf wenige Stützpunkte - sechs für Becken - und drei für Freiwasserschwimmen - konzentrieren und dort unter der Leitung von hauptamtlichen Trainern die deutschen Spitzen-Athleten trainieren. Die an den Stützpunkten arbeitenden Trainer werden per Direktionsrecht an den DSV gebunden. Bei den Wasserspringern, deren Cheftrainer Lutz Buschkow bislang war, wird dieses Modell bereits seit Jahren praktiziert.
Die frohe Kunde, dass Mainz zu den Freiwasser- Stützpunkten gehöre, löste bei den Verantwortlichen der SG EWR Rheinhessen-Mainz große Erleichterung aus. Schließlich verfügt der Verein mit Nadine Pastor, Christian Hein (beide A-Kader), Christina Krienke oder Annika Traxel (beide B-Kader) über mehrere Freiwasser-Topathleten. "Nach den turbulenten letzten Wochen ist das eine sehr erfreuliche Nachricht", sagte SG-Geschäftsführer Peter Kropf im Rückblick auf die negativen Äußerungen von Angela Maurer, Nicolai Evseev und Dimitri Colupaev, die die Mainzer Bewerbung aber nicht ins Wanken brachten. Neben den drei Freiwasser-Stützpunkten wird es ab dem 1. Januar 2009 auch sechs Leistungszentren für das Becken-Schwimmen geben: Berlin, Frankfurt/Main, Halle/Saale, Hamburg, Heidelberg und Essen.
Schon vor der Nominierung der SG zum Bundesstützpunkt bescheinigte der Vorsitzender des Südwestdeutschen Schwimmverbands (SWSV) und zugleich „Vize“ im DSV, Anselm Oehlschlägel, den Mainzern eine „super Bewerbung“. Nicht förderlich war in den Augen von Oehlschlägel zwar das Hickhack um den abgelösten Cheftrainer Nicolai Evseev. Zugleich unterstreicht er aber auch, das Präsidium des SWSV habe entschieden, „Maßnahmen, an denen der Trainer Evseev beteiligt ist, nicht mehr mit Geld zu unterstützen“. Als Begründung verweist Oehlschlägel nicht auf die fachlichen, sondern vielmehr die sozialen Kompetenzen des Trainers. „Auf Grund der unschönen Art und Weise, wie sich Herr Evseev, Frau Maurer und Herr Colupaev in der Presse geäußert haben, ist es ganz klar, dass unsere Chancen nicht gerade gestiegen sind“, äußerte SG-Vize Grummt noch wenige Tage vor der offiziellen Nominierung besorgt. Die sofortige Trennung von Evseev war Folge der Ankündigung des Russen, seinen Vertrag bei der SG nicht zu verlängern. Neuer SG-Cheftrainer ist - wie an anderer Stelle berichtet - Lothar Schubert.
Grummt wartet nun auf weitere Details von Seiten des DSV. Denn wie die Arbeit an den Stützpunkten aussehen soll, sei bislang noch völlig unklar. "Ich kann zu diesem Thema gar nichts sagen. Wir sind selbst sehr gespannt, was uns der DSV berichten wird", sagte Grummt, der die Mainzer Bewerbung ausgearbeitet hatte. Einzelheiten zu finanziellen oder personellen Planungen sind noch nicht bekannt. Fakt ist lediglich, dass ein hauptamtlicher Stützpunkt-Trainer zum 1. Januar 2009 eingestellt werden soll. Lothar Schubert hatte bereits vor einigen Wochen angekündigt, dass er sich eine Bewerbung für diesen Posten vorstellen könne.
Und wie reagierte Nicolai Evseev, Trainer und Lebensgefährte der Freiwasser-Gesamtweltcup-Siegerin Angela Maurer, auf die Stützpunkt-Entscheidung? "Für uns ändert sich vorerst gar nichts. Wir sind zwar für Gespräche mit allen Institutionen offen. Doch es bleibt die große Frage, ob man uns jetzt überhaupt noch finanziell unterstützen möchte", sagte Evseev, der mit Maurer und Dimitri Colupaev nun nach einer neuen Vereinsheimat sucht.
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Die Zentralisierung der Trainingsarbeit ist eine Konsequenz aus der mageren Ausbeute bei den Olympischen Spielen von Peking. Allein Britta Steffen (Berlin) hatte mit Doppel- Gold vor der totalen Medaillen-Pleite bewahrt. „Vielschichtige trainingsmethodische Fehler“ sind Ursache des schlechten Abschneidens der deutschen Schwimmer. Zu
dieser Erkenntnis kam der neue Direktor Leistungssport im DSV, Lutz Buschkow (Halle/ Saale), nach der Olympia-Auswertetagung der Trainer im DSV in Göttingen. Die Tagung stand noch einmal unter der Leitung von Dr. Örjan Madsen, dem Dirk Lange als Sportdirektor Schwimmen beim DSV folgt. An der Tagung nahmen rund 150 Trainer aus dem DSV teil. Für Buschkow haben die Heimtrainer in einigen Fällen das eigene Konzept „auf halbem Wege“ verlassen. Die konzeptionellen Vorgaben von Cheftrainer Örjan Madsen seien nicht hundertprozentig umgesetzt worden.
Fehlende Wettkampf-Erfahrung und -Härte war einer der Punkte, die als Indiz für das schlechte Abschneiden in Peking gelten. „Aber eine ausreichende tief schürfende trainingsmethodische Analyse der Trainer unserer Olympia-Teilnehmer von Peking habe ich auf der Tagung in Göttingen vermisst“, sagte Buschkow. „Wir müssen von unterschiedlichen
individuellen Fehlern ausgehen: Die einen haben zu viel trainiert in der unmittelbaren Olympia-Vorbereitung, andere zu wenig. Mir scheinen die Trainingsumfänge für den aktuellen Leistungsstand in der Welt nicht ausreichend zu sein. In etlichen besonders trainingsintensiven Disziplinen waren wir in Peking ja schon gar nicht vertreten. Der
Leistungsabfall in Peking gegenüber den Deutschen Meisterschaften als Qualifikation war einfach zu groß. Viele Athleten waren wohl ganz auf die Qualifikation ausgerichtet, dann aber nicht mehr steigerungsfähig.“
Verfasser: Matthias Müller nach AZ-Mainz 26./27. November, 9. Dezember und dpa 5. Dezember 2008
Veröffentlichung: AQUA 3 | 2008

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