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Neuigkeiten AQUA 08 | 3 Dirk Lange neuer Bundestrainer Schwimmen

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„Ich kann hier nur gewinnen“

Dirk Lange wird neuer Bundestrainer Schwimmen

BERLIN - Am Rande des Weltcupfinale im Schwimmen wurde in Berlin Dirk Lange als neuer Disziplintrainer Schwimmen des DSV vorgestellt. Der 45-Jährige war zuletzt als Chef-Coach in Südafrika tätig, zuvor arbeitete Lange am Olympiastützpunkt in Hamburg. Der neue Bundestrainer ist da, doch die deutschen Schwimm-Stars bleiben fern. Das Kurzbahn-Weltcupfinale in Berlin taugte aufgrund der Absagenflut vieler Top-Athleten wie Doppel-Olympiasiegerin Britta Steffen kaum zum ersten Beschnuppern. Die Berlinerin Steffen, die am Sonntag ihren 24. Geburtstag feierte, hat sich aus privaten und auch sportlichen Gründen gegen einen Auftritt in ihrer Heimatstadt entschieden. "Ich bin Olympiasiegerin und habe einen gewissen Anspruch an meine Leistung", sagte Steffen, deren nächstes Ziel die WM-Qualifikation im Juni ist. Dennoch hat Dirk Lange als neuer Disziplintrainer Schwimmen beim DSV mit hohen Ansprüchen bereits eine Duftmarke gesetzt.

"Ich bin ein Freund von ausländischen Trainingseinflüssen und von hoher Leistungsbereitschaft über hohe Normen und Kriterien. Außerdem fordere ich Wettkampfhärte und Siegermentalität", sagte Lange bei seiner Vorstellung in Berlin und ergänzte: "Das Boot Richtung Olympia 2012 in London ist bereits unterwegs. Ich bin jetzt einer der Steuermänner und will aus dem Boot ein Speedboot machen."

Dirk Lange ist neuer Bundestrainer Schwimmen

Dirk Lange tritt das Erbe von Örjan Madsen an.

Die Verpflichtung von Lange, der zuletzt als Chefcoach in Südafrika tätig war und davor bis Dezember 2004 am Olympiastützpunkt in Hamburg gearbeitet und unter anderem Sandra Völker in die Weltspitze geführt hatte, ist jedoch nicht ohne Risiko für den DSV. Lange gilt als gradlinig und konfrontationsfreudig. Auch innerhalb des Teams scheinen sich die Geister an Lange zu scheiden. Bereits vor dessen Ernennung hatte Thomas Rupprath gesagt, dass einige Athleten "ein persönliches Problem" mit Lange haben würden. Der neue Leistungssportdirektor Lutz Buschkow betonte jedoch, dass "in der aktuellen Situation Denkanstöße in alle Richtungen" notwendig gewesen seien: "Dirk wird sein Wissen in die Teamarbeit mit einbringen." Zudem stellte Buschkow dem DSV-Trainer des Jahres 1999 eine Beförderung zum Chef- Bundestrainer in Aussicht, der weiterhin gesucht wird: "Bei mir haben alle Mitglieder des Kompetenzteams die Chance, mit guten Leistungen höhere Positionen einzunehmen." Innerhalb des Verbandes haben die vielen Absagen für Verärgerung gesorgt. In Zukunft werde die Teilnahme beim Weltcup wieder verpflichtend gelten, kündigte Buschkow an. Buschkow hatte die fehlende Wettkampfhärte der deutschen Athleten als einen Grund für das schwache Abschneiden bei Olympia ausgemacht.

Der neue Schwimm-Bundestrainer Dirk Lange will mit harter Arbeit und Erfolg die Zweifler auf seine Seite ziehen. Im Interview sprach der 45 Jahre alte Hamburger über seine Pläne und Ziele.

Dirk Lange

Frage sid "Herr Lange, Ihre Verpflichtung als neuer Schwimm-Bundestrainer hat hohe Wellen geschlagen. Innerhalb des Verbandes und des Teams soll es bei Einigen Vorbehalte geben. Wie gehen Sie damit um?"

Dirk Lange "Ich erwarte gar nicht, dass mich jeder sofort liebt, denn ich liebe auch nicht jeden. Für mich zählen nur Erfolg und Leistung. Daran werde ich mich messen lassen."

sid "Sie haben den Ruf, in Ihrer Trainingsarbeit wenig kompromissbereit zu sein. Was erwartet die deutschen Schwimmer?"

Lange "Ich werde auf keinen Fall den Knüppel herausholen und sagen: So und nicht anders wird es gemacht. Ich möchte eigenständige und mündige Athleten haben. Ich bin ein großer Freund von Individualität, achte aber auch sehr auf Disziplin."

sid "Wie wollen Sie die zuletzt bis auf wenige Ausnahmen formschwachen Schwimmer wieder auf Erfolgskurs bringen?"

Lange "Ich werde sehr strategisch und zielorientiert an die Sache herangehen. Es wird klare Änderungen der Stützpunktstruktur und im Durchgriffsrecht geben. Außerdem will ich Erfahrungswerte aus dem Ausland einbringen und für Wettkampfhärte sorgen. Denn nur wer sich in der Weltspitze aufhält, kann sich dort etablieren."

sid "In Südafrika haben Sie zuvor erfolgreich gearbeitet und werden dort sehr gelobt. Warum sind Sie dennoch gewechselt?"

Lange "Ich kann hier nur gewinnen, denn schlechter geht es eigentlich nicht mehr. Wenn ich es mit dem Fußball vergleichen müsste, dann haben wir zuletzt einige 0:5-Niederlagen kassiert. Aber das macht auch den Reiz aus. Der Verband ist groß und das Potential ist da."

sid "Ist das eine Kritik am früheren Sportdirektor Örjan Madsen?"

Lange "Auf keinen Fall. Er musste den Kopf für Dinge herhalten, für die er nichts konnte. Es gab offensichtlich ein Problem im Weisungsrecht. Ich halte ihn nach wie vor für einen der besten Sportwissenschaftler der Welt."



Verfasser: Matthias Müller nach sid, 14. und 16. November 2008
Veröffentlichung: AQUA 3 | 2008

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