Schwimmsport Geschichte des Schwimmsports


Schwimmen im klassischen Altertum

Griechische Darstellung eines Kopfsprungs

Griechische Darstellung eines Kopfsprungs
ca. 480 v.Chr.

Die klassischen Kulturen hinterließen zahlreiche Zeugnisse ihrer Schwimmfähigkeiten. Reliefe aus einem altägyptischen Grab aus der Zeit von 2000 vor Christus zeigt einen dem Kraul ähnliche Schwimmart mit Armzügen über Wasser. Die Assyrer hielten Brustschwimmer in Form von Steinreliefs fest. Die Hethiter, Minoer und andere Frühkulturen hinterließen uns darüberhinaus eine Vielzahl von Malereien mit Schwimmern und Tauchern. Das Wettkampfschwimmen ist in japanischen Quellen seit 36 vor Christus belegt, als der erste bekannte Schwimmwettkampf duchgeführt wurde.















Schwimmen im Mittelalter

Badehaus im Mittelalter

Badehaus im Mittelalter

Die erste schriftliche Quelle stammt aus dem Jahr 1538, als der deutsche Gelehrte Nicolas Wynman seine Gedanken zum Schwimmen festhielt. 1669 wurde das erste Buch über das Schwimmen, "L'art de natation", vom Franzosen Thévénot verfasst. Er beschrieb zum ersten Mal das Brustschwimmen, bei dem der Kopf aus dem Wasser herausschaut und die Arme unter Wasser zurückgeführt werden. Diese Schwimmart verleihe dem Schwimmer auch im bewegten Wasser gute Stabilität. Eine englische Übersetzung von Thévénots Buch ist schuld daran, dass sich die Brusttechnik in den folgenden Jahrhunderten als Standardstil weltweit durchsetzte.












Neuzeit: Der Wettkampfsport wird populär

Die Briten sind wahrscheinlich auch die ersten, die das Schwimmen im Sinne eines Sports verstanden. 1837 entwickelte sich in den Hallenbädern Londons das moderne Wettkampfschwimmen. Die National Swimming Society legte die ersten Wettkampfregeln fest. Geschwommen wurde entweder Brust- oder Seitenschwimmen. 1844 nahmen amerikanische Gäste an einem Londoner Meeting teil. Flying Gull ("Fliegende Möve") schwamm 39,6 Meter in 30 Sekunden und gewann gegen "Tabak" - logischerweise - die Medaille. Ihre Schwimmtechnik wurde beschrieben wie "das Wasser wie eine Windmühle mit den Armen dreschend" und die Beine "miteiner Auf- und Abbewegung tretend". Diese Urform des Kraul war zwar in diesem Rennen entscheidend, aber die Engländer zogen den Bruststil für die Wettkämpfe weiterhin vor. Die Engländer kämpften auch gerne gegen die Natur. 1875 bezwang Captain Webb als Erster den Kanal. Im Bruststil benötigte er für die Strecke 21 Stunden und 45 Minuten. Die erste Kanalschwimmerin Gertrude Ederle hielt nach 1926 noch lange den Kanalrekord.

Die Entwicklung der Schwimmtechnik

Trockenübung beim französischen Militär

Trockenübung beim französischen Militär

Im 19. Jahrhundert entwickelten sich eine Vielzahl von Schwimmarten. Das Seitenschwimmen, bei dem der Schwimmer auf der Seite liegt, wurde bald modifiziert: Der höher liegende Arm konnte über das Wasser schneller nach vorne geführt werden. Die Beine wurden ziemlich unkoordiniert zusammengepresst. Im Jahr 1895 schwamm der Engländer J. H. Thayers im Seitenschwimmen 100 Yards in 1:02,50 (entsprechende 100-Meter-Zeit 1:08,38). John Trudgen entwickelte das Hand-über-Hand-Schwimmen, "Trudgen" genannt. Er schaute diese 1873 in England eingeführte Schwimmart südamerikanischen Indianern ab. Die Arme wurden aus dem Wasser nach vorne geführt, ähnlich wie beim Seitenschwimmen, nur wechselte man stets von einer auf die andere Seite hin und her und führte einen Scherenbeinschlag zu jedem zweiten Armzug aus. Von dieser Schwimmart zum Kraul war es nur noch ein Schritt. Der Beinschlag wurde variiert, bei jedem Armzug ein Beinschlag oder abwechslungsweise ein Scherenbeinschlag und ein Kraulbeinschlag. F. V. C. Lane trudgte 1901 die 100 Yards in 1:00,0 (100 Meter in 1:05,64).

Die Entwicklung der vier Schwimmstile

Obwohl der Mensch seit Urzeiten schwimmt, wurden die Stilarten erst in den letzten 100 Jahren verfeinert. Das Wettkampfschwimmen, insbesondere die modernen Olympischen Spiele seit 1896 (Athen) erhöhten das Interesse an der Schwimmtechnik. Die wissenschaftliche Untersuchung der Schwimmtechnik half mit, diese zu verfeinern, größere Geschwindigkeiten zu erzielen und den Vortrieb im Wasser zu verstehen.

Die Ineffizienz des "Trudgens" brachte den Australier Richard Cavill dazu, mit Neuem zu experimentieren. Er beobachtete die Einheimischen auf den Solomoninseln, die den Kraulbeinschlag mit dem Überwasserarmzug kombinierten. Cavill verwendete diese Stilart 1902 an der Internationalen Meisterschaft und senkte den Weltrekord über 100 Yards auf 58,4 Sekunden (100 m in 1:03,89). Diese Schwimmart wurde unter dem Namen Australischer Crawl bekannt.

Die Schwimmforschung half auch der Entwicklung des Brustschwimmens. Obwohl andere Schwimmstile schneller sind (die Rückführung der Arme unter Wasser nach vorne wirkt geschwindigkeitsbegrenzend), ist das Brustschwimmen immer noch eine Wettkampfschwimmart. Bis in die 50er Jahre war das Brustschwimmen die einzige Schwimmart, die genau festgelegt war.

1934 fand David Armbruster, Trainer an der Universität von Iowa, etwas neues heraus: Beide Arme konnten gleichzeitig über Wasser nach vorne zurückgeführt werden. Dieses "Schmettern" erhöhte die Schwimmgeschwindigkeit, kostete aber mehr Trainingsaufwand und Kondition. 1935 schwamm Jack Sieg, ebenfalls von der Universität von Iowa, auf der Seite, mit den Beinen wie mit einem Fischschwanz schlagend. Er konnte das schließlich auch auf dem Bauch. Armbruster und Sieg kombinierten das Schmettern der Arme und den Beinschlag bis die Koordination saß: Das Delfinschwimmen, wie es eigentlich heißen sollte, war geboren.

Rheinbadeanstalt in Düsseldorf

Rheinbadeanstalt in Düsseldorf

Mit zwei Delfinkicks pro Armzug schwamm Sieg damals die 100 Yards in 1:00,2 (100 Meter in 1:05,85). Man gab der Schwimmart den Namen Schmetterlings-Brustschwimmen. Es war schneller als das normale Brustschwimmen und wurde an Schwimmwettkämpfen als Regelwidrigkeit nicht toleriert. 20 Jahre lang brauchten die Meister-Brustschwimmer einzig, um die Überwasserform des Armzugs in Kombination mit einem verkürzten Brustbeinschlag durchzusetzen. Erst Ende der 50er Jahre wurde der Delfinkick als eigene Schwimmart legalisiert. Viele Schwimmer sagen, das Schlängeln sei der Schlüssel für die Schwimmart, und jemand, der die Wellenbewegung beherrsche, könne das Delfinschwimmen leichter lernen.

Die Ineffizienz des "Trudgens" brachte den Australier Richard Cavill dazu, mit Neuem zu experimentieren. Er beobachtete die Einheimischen auf den Solomoninseln, die den Kraulbeinschlag mit dem Überwasserarmzug kombinierten. Cavill verwendete diese Stilart 1902 an der Internationalen Meisterschaft und senkte den Weltrekord über 100 Yards auf 58,4 Sekunden (100 m in 1:03,89). Diese Schwimmart wurde unter dem Namen Australischer Crawl bekannt.

Wettkampfschwimmen in der Moderne

Die beste Methode, um die Technikverfeinerungen und -änderungen der Schwimmer in Bezug auf eine Verbesserung zu testen, ist der Vergleich an einem Wettkampf. Das ist der Grund, warum auf Geschwindigkeit und Ausdauer so großer Wert gelegt wird.

Alfred Hajos gewann die erste Männer-Goldmedaille im Schwimmen an Olympischen Spielen, nämlich 1896 in Athen. Seine 100-Meter-Freistilzeit betrug 1:22,2 Minuten. Der Weltrekord wurde seither laufend verbessert. Bekannt als olympische Schwimmer wurden Weissmüller und Spitz. Johnny Weissmüller gewann 5 olympische Medaillen und verlor in seiner 10-jährigen Karriere kein einziges Rennen. Mark Spitz brachte es allein an den olympischen Spielen in München 1972 auf sieben Goldmedaillen - mehr als alle anderen Schwimmer in der Geschichte der olympischen Spiele. An den ersten modernen olympischen Spielen gab es nur vier Schwimmwettkämpfe, drei davon Freistil. An den zweiten Olympischen Spielen 1900 in Paris wurden drei unübliche Schwimmwettkämpfe durchgeführt. Einer war ein Hindernisschwimmen, ein zweiter ein Unterwasserausdauerschwimmen und der dritte ein 4.000-Meter-Schwimmen. Alle drei Wettkampfformen wurden später nicht mehr durchgeführt.



Bis 1912 waren Frauen vom Sportschwimmen noch ausgeschlossen

Aus verschiedenen Gründen waren Frauen an den ersten olympischen Spielen ausgeschlossen. Pierre de Coubertin, der Gründer der modernen olympischen Bewegung war im Einklang mit der viktorianischen Zeit der festen Überzeugung, dass Frauen zu zerbrechlich für den Wettkampfsport seien. 1900 durften Frauen im Tennis und Golf mitspielen, weil diese beiden Sportarten in Europa sehr beliebt waren (bis zur Gründung des IOC konnte das Gastland die Sportarten bestimmen). 1912 durften die Frauen erstmals mitschwimmen auf Drängen einer Gruppe von Leuten, die sich später als IOC etablierten. Schwimmen an olympischen Spielen begann sehr bescheiden mit 4 Wettkämpfen. Heute sind es 34 - je 17 für Frauen und Männer.