Koordination des Kraularmzuges

Als Erstes werden die drei Grundmuster der Armzugkoordination erklärt. Anschließend kann mit Hilfe von Unterwasservideoclips verglichen werden, inwieweit sich die Koordination von Popov, Thorpe, Hackett und Inge De Bruijn unterscheidet.

Grundform

Zuerst wird die Koordination des Armzugs gezeigt, bei der die Arme rechtwinklig zueinander stehen. Diese Art der Koordination ist die Gebräuchlichste. Wenn der eine Arm eintaucht, hat der andere den Armzug zur Hälfte beendet.

Frontquadrant

Das zweite Bild zeigt die Koordination der Armzugbewegung, wenn die Arme vor dem Schwimmer übergreifen ("Frontquadrant-Schwimmen"). Diese Koordination wird vor allem bei Schwimmern mit guter Wasserlage und -balance, starkem Vortrieb mit den Beinen und stromlinienförmigem Körper oder Wasserlage, die gutes Gleiten erlauben, verwendet. Diese Koordination wird bei Langstrecklern häufiger als bei Sprintern beobachtet.

Rotationstechnik

Beim dritten Grundmuster taucht der eine Arm ein, wenn der Zugarm bereits schon mehr als die Hälfte des Armzugs ausgeführt hat (Rotationstechnik, vgl. Sprinter in den Videoclips unten). Diese Koordination kommt den Schwimmern entgegen, die auf beide Seiten atmen (3er Zug). Am häufigsten wird diese Koordination des Armzuges bei Sprintern, vor allem bei solchen mit hoher Zugfrequenz angetroffen.

  • In Bezug auf die Koordination des Armzugs kann auf verschiedene Weise schnell Kraul geschwommen werden. Das Frontquadrant-Schwimmen ist bei Langstreckenschwimmern, die Rotationstechnik bei Sprintern verbreitet.
  • Alle Schwimmer rollen den Körper (Hüfte und Schultern) um die Längsachse und zwar so, dass sie die meiste Zeit in Seitlage verbringen. Für das schnelle Körperrollen von der einen auf die andere Seite werden von den meisten Schwimmern zwei Ankerpunkte verwendet, nämlich der Beinschlag (2er oder 6er Beinschlag) und das Wasserfassen bzw. die frühe Zugphase.
  • Wichtig ist, dass man nicht nur an einen effizienten Vortrieb denkt, sondern wie man gleichzeitig den Wasserwiderstand reduzieren kann (z.B. mit horizontaler Wasserlage, Hüfte an der Oberfläche).
  • Das Techniktraining muss im aufgewärmten und ausgeruhtem Zustand erfolgen, das heißt zu Beginn des Trainings. Technik muss langsam bis superlangsam geübt und automatisiert werden (Touretski: "Spazierenschwimmen" lernen).

Schwimmgeschwindigkeit und Kraulzuglänge

Um die Schwimmgeschwindigkeit im sub-maximalen, aeroben Bereich zu halten oder zu steigern, erhöhen gute Schwimmer in der Regel die Zuglänge bei konstanter Zugfrequenz.

Beim Überschreiten des maximalen Laktat-Steady-States? nimmt die Zuglänge aber ab und die Zugfrequenz zu.

Das maximale Laktat-Steady-State? bedeutet nicht nur einen physiologischen, sondern auch einen biomechanischen Schwellenwert, über dem die Zuglänge beeinträchtigt wird.

Die Gründe für die Abnahme der Zuglänge sind vermutlich die Ermüdung und die mangelnde Kraft, um bei hoher Schwimmgeschwindigkeit mit niedriger Frequenz zu schwimmen.

Die Autoren empfehlen den Trainern, bei ihren Schwimmern die Zuglänge und physiologische Messgrössen bei hohen Geschwindigkeiten auszuwerten. Es sollte oft langsam geschwommen werden mit dem Ziel, die Zuglänge zu verlängern. Die Schwimmer sollten versuchen, die Zuglänge im Bereich der maximalen aeroben Geschwindigkeit und darüber konstant zu halten.

(Quelle: Dekerle J, Nesi X, Lefevre T, Depretz S, Sidney M, Marchand FH, Pelayo P.: Stroking parameters in front crawl swimming and maximal lactate steady state)


1. Einleitung Beim Menschen hängt die Schwimmgeschwindigkeit von der Zuglänge und der Zugfrequenz ab. Unter Zuglänge versteht man, wie weit der Körper mit einem Armzugzyklus nach vorne bewegt wird. Die Zugfrequenz bedeutet die Anzahl Armzugzyklen pro Minute [(B.G. Hay: Swimming biomechanics, a brief review. Swimming Technique 9:15-21 (1983)].

Bereits 1979 zeigten Craig und Pendergast (Med Sci Sports Exerc 11:278-283), dass Schwimmer eine bestimmte, vorgegebene Schwimmgeschwindigkeit mit der Variation der Frequenz oder der Zuglänge erreichen können. Allerdings wurden diese Tests nur über 25 Yards durchgeführt, das heißt es waren - abgesehen im Bereich der maximalen individuellen Sprintgeschwindigkeit - keine metabolischen Grenzen vorhanden. Craig und Pendergast (1979) vermuteten, dass sich die Ermüdung über längere Strecken durch eine Abnahme der Zuglänge und damit der Schwimmgeschwindigkeit bemerkbar macht. Die Qualität der Schwimmtechnik ist nicht nur von biomechanischen, sondern auch von physiologischen Faktoren abhängig.

Dekerle et al. (2005) untersuchten genau diese Frage, ob und wie sich die Zuglänge bei Strecken ab 200 Metern beim Übergang vom submaximalen, aeroben in den maximalen Bereich ändert.

Dekerle et al. (2005) gingen davon aus, dass nahe der maximalen Schwimmgeschwindigkeit die Zuglänge ermüdungsbedingt oder mangels Kraft abnimmt.

Als Schwellenwert für die Beeinträchtigung der Schwimmtechnik wurde die Geschwindigkeit, bei der sich im Blut noch ein Laktat-Steady-State? einstellt, postuliert (VMLSS). VMLSS ist das moderne Konzept für die anaerobe Schwelle.

2. Methodisches Vorgehen Die Untersuchung wurde mit einer homogenen Gruppe von elf gut trainierten Schwimmern durchgeführt (100 bis 200 Meter Wettkampfdistanz). Die maximale aerobe Geschwindigkeit wurde in einem 400-Meter-Rennen gemessen. VMLSS wurde mit vier 30-Minuten-Tests bei 75%, 80%, 85% und 90% der maximalen aeroben Geschwindigkeit bestimmt. Bei diesen Tests wurden auch immer die Zuglängen gemessen, um die Geschwindigkeit zu bestimmen, bei der die Zuglänge abnimmt.

Die Ergebnisse eines typischen Schwimmers werden gezeigt (Abbildungen 1 und 2). Die Schlussfolgerungen und Empfehlungen basieren auf statistisch signifikanten Resultaten.

3. Ergebnisse In Abbildung 1 wird gezeigt, wie die Blut-Laktatkonzentration von der Schwimmgeschwindigkeit abhängt. Beim in Abbildung 1 gezeigten Schwimmer liegt VMLSS bei 85% der maximalen Geschwindigkeit.

In Abbildung 2 werden die Abhängigkeit der Zuglänge von der Geschwindigkeit (obere Kurve, rechte Skala) und die prozentualen Änderungen der Zuglänge (untere Kurve) gezeigt.

Bei diesem Schwimmer sieht man, dass die Zuglänge bei 85% der maximalen Geschwindigkeit deutlicher abzufallen beginnt. 85% MAS bedeutet bei diesem Schwimmer auch VMLSS (siehe Abbildung 1).

Abb. 1 Verlauf der Blut-Laktatkonzentration bei einem typischen Schwimmer bei den vier 30 Minutentests im submaximalen Bereich mit konstanter Geschwindigkeit. Bei diesem Schwimmer befindet sich die VMLSS bei 85% der maximalen aeroben Schwimmgeschwindigkeit MAS.

Abb. 2 Abhängigkeit der Zuglänge von der Schwimmgeschwindigkeit (obere Kurve, Skala rechts) und prozentuale Änderungen der Zuglänge (untere Kurve, Skala links) bei einem ausgewählten Schwimmer.

4. Schlussfolgerungen und Empfehlung Das wichtigste Resultat dieser Studie ist, dass die Geschwindigkeit beim maximalen Laktat-Steady-State praktisch identisch mit der Geschwindigkei ist, bei der die Zuglänge deutlich abzunehmen beginnt. Das bedeutet, dass die Züge eines Schwimmers deutlich kürzer werden, wenn er versucht, längere Zeit schneller als seine VMLSS zu schwimmen. Die Zuglänge kann nur bei langsamen, aeroben Geschwindigkeiten hoch und konstant gehalten werden.

Diese Beobachtung stimmt mit in anderen zyklischen Sportarten wie Laufen oder Radfahren gemessenen Ergebnissen überein, nämlich dass die Ermüdung zu höheren Frequenzen und/oder kürzeren Schritten führt. Beispielsweise werden in 3000-Meter-Läufen die Schritte bei den meisten Läufern auf der letzten Runde auch dann kürzer, wenn die Geschwindigkeit nicht zunimmt. Auch im Radfahren nehmen die selbst gewählten Kadenzen im Verlaufe eines Rennens zu.

Die Autoren empfehlen den Trainern, bei ihren Schwimmern die Zuglänge und physiologische Messgrössen bei hohen Geschwindigkeiten auszuwerten. Es sollte oft langsam geschwommen werden mit dem Ziel, die Zuglänge zu verlängern und mit zunehmender Geschwindigkeit konstant zu halten, vor allem im Bereich der MAS und darüber.