Schwimmsport Physiologie des Schwimmsports


Schwimmen gilt als eine der gesündesten Sportarten überhaupt. Infolge der Auftriebskraft des Wassers reduziert sich das Gewicht eines Mannes von 70 kg auf dem Land auf 6,6 kg (der über Wasser gehaltene Kopf wiegt davon ca. 4 bis 5 kg) im Wasser. Damit entfällt ein erheblicher Teil der Stütz- und Haltearbeit der Wirbelsäule und Rückenmuskulatur. Die Muskulatur kann sich vollkommen entspannen, die Wirbelsäule wird entlastet. Dadurch entfallen natürlich auch krankheitsbedingte Beeinträchtigungen, die die Bewegung auf dem Land hemmen. So können auch Körperbehinderte unter Beachtung von Sicherheitsmaßnahmen das Schwimmen erlernen beziehungsweise sich im Wasser frei bewegen.

Beim Schwimmen gibt es im Vergleich zu anderen Sportarten relativ geringe alters- und geschlechtsspezifische Unterschiede. Die horizontale Lage, die Kühlfunktion des Wassers, die Auftriebskraft des Wassers, die Elastizität der Muskeln, das verhältnismäßig geringe Gewicht der Muskeln im Vergleich zum Körpergewicht mit dadurch bedingter hoher Wasserlage, der hydrostatische Druck, das günstige spezifische Gewicht von Kindern im Gegensatz zu Erwachsenen, das erhöhte Schlagvolumen des Herzens im Vergleich zu Erwachsenen sind Gründe für die geringen alterspezifischen Unterschiede. Schwimmen ist eine Ausdauersportart, in der es keiner plötzlichen großen Kraftanstrengungen bedarf, was sich leistungsbegünstigend auswirkt.

Die geschlechtspezifischen Unterschiede sind erst im Leistungssport bedeutend. 14 Jahre alte Mädchen schwimmen im Gegensatz zu ihren gleichaltrigen männlichen Kollegen Weltrekorde. Die Gründe sind unter anderem:

  • Ein geringes spezifisches Gewicht des weiblichen Körpers gegenüber dem männlichen.
  • Die maximale Sauerstoffaufnahme ist bei Jungen um das 20. Lebensjahr, bei Mädchen jedoch zwischen dem 14. bis 15. Lebensjahr erreicht.
  • Der Prozentsatz an Körperfett ist größer als bei Jungen. Dadurch kommt es zu einem geringen Wärmeverlust, und es muss weniger Energie für eine notwendige Leistung erbracht werden.
  • Bei Mädchen liegen vom 12. Lebensjahr an besonders gute Voraussetzungen für ein Ausdauertraining vor - bei Jungen vom 14. Lebensjahr an.
  • Das Leistungsvermögen Jugendlicher gegenüber Erwachsenen ist von den genannten Bedingungen her höher zu beurteilen.
  • Mädchen erreichen auf Grund der genannten Unterschiede früh ihre absolute Höchstleistung.

Der Atmungsaufwand für eine Leistung ist im Wasser geringer als an Land. Da die Haut im Wasser geringer durchblutet wird (das Wasser kühlt, die Haut benötigt somit weniger Blut), steht eine zusätzliche Blutmenge der arbeitenden Muskulatur zur Verfügung. Auch wird die Pulsfrequenz im Wasser niedriger gehalten. Durch den hydrostatischen Druck, der von allen Seiten auf den im Wasser tauchenden Körper einwirkt, ist ein vermehrtes Blutangebot in der rechten Herzkammer vorhanden, wodurch es im Brustkorb zu einem Überangebot an Hämoglobin (Sauerstoffbinder in den roten Blutkörperchen) kommt. Ein Kollaps ist bei regelmäßiger Ein- und Ausatmung deshalb im Wasser fast ausgeschlossen. Die Verletzungsgefahr beziehungsweise -anfälligkeit ist bei normalen Wassertemperaturen minimal. Im Freizeitsport kann es kaum zu Verletzungen kommen, selbst wenn die Bewegungen noch so falsch ausgeführt werden. Auch im Leistungssport treten Verletzungen höchstens dann auf, wenn man an Land (Trockentraining) oder im Wasser völlig falsch trainiert hat.

Häufig klagen Schwimmer über Schulterschmerzen. Diese können auftreten bei intensivem und umfangreichem Zugseiltraining oder durch plötzlich gesteigerte Trainingsqualität und -quantität. Die Knie sind beim Brustschwimmen durch das extreme Ausdrehen aus dem Unterschenkel (Schwunggrätsche) am ehesten verletzungsanfällig. Auch eine fehlerhafte Bewegungsausführung kann zu einer Verletzung führen, jedoch nur beim hochfrequenten Brustschwimmen im Leistungssport. Die Technik muss dann ein wenig modifiziert werden.

Auch ein offenes Trommelfell muss nicht am Schwimmen hindern. Nur das Tauchen sollte vermieden und unbedingt ein Arzt befragt werden.

Des Öfteren liest man von Überbeanspruchungen durch das Training, in dem täglich vier bis sechs Stunden Belastung keine Seltenheit sind. Solch ein Trainingsumfang kann nur von Schwimmern geleistet werden, die bereits ein langjähriges Training (über zehn Jahre) hinter sich haben. Überbelastungen treten nur dann auf, wenn nicht entwicklungsgemäß und nicht systematisch trainiert wird (etwa durch fehlende Erholung bei fortwährender Höchstbelastung). Maßlos übertriebenes Training (zu schnelles Steigern der Anforderungen), ein Übermaß an Wettkämpfen mit maximaler Belastung oder hohe Beanspruchung außerhalb des Trainings (Alkohol, Nikotin,berufliche oder schulische Belastungen, Nachwirkungen von Krankheiten u.a.) führen ebenfalls zu Überbeanspruchungen. Nach krankheitsbedingten Ausfällen wird häufig zu früh das Training wieder aufgenommen. Leistungseinbrüche oder spätere Überanfälligkeit sind die Folge. Solange die Wassertemperatur unter der Körpertemperatur liegt (und dieses ist fast immer der Fall), wirkt das Wasser kühlend auf den Körper. Allerdings haben Kinder ein noch relativ schwach entwickeltes Unterhautfettgewebe, so dass sie leicht frieren. Dieses Faktum sollte sowohl beim Baden als auch beim Trainieren berücksichtigt werden. Die horizontale Lage gewährleistet außerdem eine vorteilhafte Blutverteilung über den ganzen Körper. Das sind alles Gründe dafür, dass ein Schwimmer nach maximalen Belastungen so schnell wieder erholt ist, dass er mehrere Wettkämpfe während einer Veranstaltung schwimmen kann. Verlässt man jedoch nach extremen Belastungen sofort das Wasser, so kann es zu einem Kollaps (auch durch ungenügende Ein- und Ausatmung) kommen, denn die wichtige Kühlfunktion des Wassers kann nicht mehr wirken.